Christine Schulz &
Evangelos Papadopoulos
Unter Welten
05.11. - 07.01.2023 


Raum 1

Das Projekt Unter Welten führt zwei künstlerische Positionen an den Schnittstellen physischer und digitaler Welten zusammen. Raumgreifende Skulpturen verbinden sich mit Videoprojektionen und computergenerierten Bildwelten und reflektieren unterschiedliche Weltmodelle und Weltsichten.
Ausstellung im Grölle Pass Projects Raum2 vom 5. November 2022 – 07. Januar 2022
Die Zusammenarbeit beginnt ab dem 15. September 2022 mit einer kommunikativen Vorbereitungszeit.
Unsere Vorstellung von der Welt impliziert eine Vielfalt von Welten. Bereits die Antike unterscheidet zwischen der Lebenswelt der Menschen und der Unterwelt. Mit der Entdeckung Amerikas spaltet sich die bekannte Welt in eine Neue und eine Alte Welt. Heute scheint uns die globale Weltgemeinschaft ökonomisch unterteilt in eine erste, zweite und dritte Welt. In einem weiteren Sinn ließe sich zwischen realen und imaginären Welten unterscheiden. Und im Rahmen einer voranschreitenden Digitalisierung unserer Alltagswelt kommen neben der vertrauten physischen Welt zusehends virtuelle Welten ins Spiel.
In dem Projekt Unter Welten entwickeln Christine Schulz und Evangelos Papadopoulos gemeinsam eine raumbezogene Installation und rekurrieren dabei auf unterschiedliche Weltmodelle. Sie operieren an den Schnittstellen physischer und digitaler Welten und nähern sich dem Thema gewissermaßen von verschiedenen Seiten. Während Papadopoulos von der Skulptur her kommend raumgreifende Strukturen entwickelt und dabei zunehmend auch digitale (Bild-)Elemente integriert, basieren die Arbeiten von Christine Schulz auf digitalen Videos, die in skulpturalen und installativen Räumen erscheinen. Zum Einsatz kommen „analoge“ Materialien wie Holz, Gipskarton-Platten oder Metallprofile, ebenso natürliches und künstliches Licht sowie digital generierte Elemente und Verfahren, darunter 3D-Computer-Animationen und Photogrammetrie.
Während die physische Welt direkt greifbar vor uns liegt, ist die digitale Welt stets eine technisch vermittelte, deren vorrangige Erscheinungsform das Bildschirmbild ist. Der Übergang zwischen den Welten ist mit einer Transformation vom Materiellen ins Immaterielle verbunden. Gleichwohl verschwimmen die Grenzen in unserer Alltagswirklichkeit zusehends. Augmented Reality und Social Media sind die sprechendsten Beispiele hierfür. Und die jüngst eingebrachte Vision eines Metaversums, einer Verlagerung sämtlicher Lebensbereiche in eine virtuelle Welt, in der wir als Avatare agieren, scheint der nächste Schritt zu sein.
Mit der Idee einer Vielfalt von Welten verbinden sich Fragen nach Hierarchien und Kategorisierungen, nach Relationen des Eigenen und des Fremden, nach der Positionsbestimmung des eigenen Ichs. In der Installation von Christine Schulz und Evangelos Papadopoulos überlagern sich Weltenbilder und Weltensichten, eröffnen sich assoziative Felder und bilden ein komplexes Beziehungsgeflecht. Das Werk zielt nicht auf eine finale Lesart, sondern auf den offenen Prozess, auf eine immer wieder neu zu suchende Orientierung innerhalb und zwischen den Welten.
Reinhard Buskies, 2022