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>> Travellin` Light <<
Klangbilder
Julio Rondo studierte bei K.R.H. Sonderborg in Stuttgart, einem zentralen
Protagonisten der freien, gestisch-expressiven Abstraktion des Informel.
Sonderborg selbst stellte jedoch bereits 1982 die Frage nach der eigenen
künstlerischen Verortung innerhalb dieser Strömung und suchte, die
ideologischen und formalen Grenzen der 1950er- und 1960er-Jahre zu
überschreiten. Diese Haltung der kritischen Selbstbefragung und ästhetischen
Offenheit scheint auch Julio Rondos künstlerisches Denken nachhaltig geprägt
zu haben.
Rondos transparente Hinterglasmalereien, die als objekthafte Konstruktionen aus
zwei voneinander separierten Ebenen angelegt sind, inszenieren Malerei als
komplexes Dispositiv. Farbe, Licht und gestisch-lyrische Abstraktion treten in
einen spannungsvollen Dialog mit analytisch-konzeptionellen Strategien,
materialbezogenen Fragestellungen und paradoxalen Zeitlichkeiten –
Gleichzeitigkeit von Prozess und Stillstand. Verdichtete, abstrakte
Pinselsetzungen und autonome, analytische Hard-Edge-Farbfächen stehen in
einem präzise kalkulierten Kontrast.
Die zweischichtigen Überlagerungen der intensivfarbigen Malerei führen in der
Regel zu einer optischen Verschmelzung der Farbebenen; dabei können sich
komplementäre Farbtöne im Wahrnehmungsprozess zu einem dritten,
emergenten Farbwert addieren: >> Travellin` Light <<
In der technischen Strenge liegt für Rondo die Möglichkeit, eine kontrollierte
Illusion von Spontaneität und Zufälligkeit hervorzubringen. Seine Arbeiten
erscheinen so als membranartige Übergangszonen, in denen sich
Wahrnehmungszustände verschieben: scharf und diffus zugleich, weder füssig
noch fest, einer eindeutigen Zuschreibung entzogen. Aus diesen produktiven
Spannungen und Widersprüchen entsteht eine eigenständige, sinnlichästhetische
Präzision – ein visuelles „Klangbild“, das sich der eindeutigen
Benennung entzieht.
Die Titel seiner Werke oder Ausstellungstitel stellen oft eine Referenz zu Klang,
Musik oder Songtexten her, wie der Titel unserer Ausstellung erahnen lässt.